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TechProtect in Holzgerlingen - Ein Vorbild in Sachen Arbeitgeberattraktivität

Kreislaufwirtschaft. Jeder kennt diesen Begriff. Aber welches Maß an Komplexität dahintersteckt, kann sich wohl kaum jemand vorstellen. Ich jedenfalls konnte es nicht – bis ich mit Frank Bahnmüller von TechProtect gesprochen habe.

In dem schwäbischen Unternehmen, das in 15 Jahren von 11 auf rund 100 Mitarbeiter angewachsen ist, arbeiten ausschließlich Spezialisten. Marketing, Logistik, Verwertung, Auszahlungsprozesse, Rechtsfragen und Partner-Management sind Herausforderungen, die das Team tagtäglich bewältigt.

Was genau passiert bei TechProtect? In einer der beiden Hauptsparten des Unternehmens (Marketing-Services) werden Konzepte entwickelt, die den Absatz der Elektro- und Elektronikhersteller steigern sollen (wie bspw. Cashback, Alt gegen Neu, Geld-zurück-Garantie, Mailings oder Telefonwerbung bei Bestandskunden). Die andere Hauptsparte (Take Back Solutions) kümmert sich in allen Ländern der Welt um die gesetzeskonforme Rücknahme der Produkte und sorgt für deren nachhaltige Verwertung. Was wiederaufbereitet werden kann, kommt zu günstigeren Preisen zurück in den Markt. Teilweise werden Ersatzteile gewonnen oder wenn auch das nicht mehr geht, werden die Rohstoffe in den Produktionskreislauf zurückgeführt. In Geseke sitzt ein Partner, der über eine einzigartige Maschinenstraße verfügt, die das Verbundmaterial in ihre einzelnen Rohstoffe zerlegt und am Ende unter anderem sortenreines Aluminium hervorbringt, das wieder eingeschmolzen werden kann. Das ist wirtschaftlich und es schont die Umwelt.

Was macht TechProtect so besonders? Vor ein paar Jahren war noch alles so wie bei vielen anderen Unternehmen auch. Es gab eine Ablauf-Organisation mit Führungskräften, die Entscheidungen trafen und darunter arbeitenden Teams, die diese umgesetzt haben. Irgendwann wuchs die Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern und entlud sich in Statements wie „Ich darf zwar Business Manager heißen, aber eigentlich kann ich gar nichts entscheiden!“ Abteilungsdenken und die Haltung „Das ist nicht mein Problem“ setzten sich immer mehr durch und lähmten die Arbeitsabläufe. Geschäftsführer Armin Kienle und Vize-Präsident Frank Bahnmüller kamen zu dem Entschluss, dass sich etwas ändern müsse. Die Strukturen wurden aufgebrochen. Mehr Mitarbeiter ins Business, mehr Kundenorientierung, mehr Verantwortung, lautete die Maxime. Die Mitarbeiter sollten die Chance bekommen, den Sinn des Unternehmens wirklich zu verstehen und zu verinnerlichen.

Seitdem hat sich viel verändert. Die IT ist vom Verwalter zum internen Dienstleister herangewachsen, statt der ursprünglichen Ablauforganisation zählt enge Vernetzung, die Organisation wird permanent weiterentwickelt. Was gut läuft, wird bewahrt; was nicht läuft, wird verändert. Die Entscheidung über die Businesspläne wird durch Mitarbeiter und Geschäftsführung gemeinsam initiiert. Erst gibt es eine Bottom-Up-Planung zur Festlegung der 10 Top-Ziele für das kommende Jahr. Dann entwickelt die Geschäftsleitung Top-Down daraus die „Balanced Scorecards“. Die fertigen Businesspläne werden allen vorgestellt und auf die verschiedenen Ebenen heruntergebrochen (Unternehmensziele – Bereichsziele – Mitarbeiterziele). Die Ziele werden aufgehängt. Jeder Mitarbeiter hat die Chance zu sehen, wie seine persönlichen Ziele in das ganze Gefüge hineinpassen und wo sein Beitrag zum Unternehmenserfolg liegt.

Was macht TechProtect sonst noch zum attraktiven Arbeitgeber? Zum Beispiel ein hohes Maß an zeitlicher und örtlicher Flexibilität: Da ist dieser eine Kunde, der schon ab 6 Uhr morgens  erreichbar ist. Nur arbeitet da bei TechProtect in Holzgerlingen noch niemand! Dann ermöglicht man ihm eben die Betreuung durch einen Kollegen mit Sitz in Singapur. Da ist es dann schon Mittag. Oder es gibt den Kollegen, der sich spontan für 14 Tage um seinen pflegebedürftigen Vater kümmern muss. Also wird ihm kurzerhand in der Wohnung des Vaters ein Home Office eingerichtet, so dass er in dieser Zeit nicht ins Büro kommen muss. Eine Kollegin wünscht sich die 10 gesetzlich vorgesehenen Betreuungstage für ein krankes Kind je Elternteil von ihrem Mann auf sich übertragen zu lassen, so dass ihr 20 Betreuungstage zur Verfügung stehen. TechProtect probiert es einfach aus. Wenn das Ganze zu Schwierigkeiten führt, muss man eben noch mal drüber reden. Und schließlich ist da noch Enrica, die mit ihrem Mann nach Italien geht, ihre Stelle bei TechProtect aber nicht verlieren will. Also arbeitet sie eben mobil von Italien aus weiter und kommt 2-3 Mal im Jahr ins Stammhaus. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wird sie Führungskraft und ist bis 14 Uhr im Büro präsent und arbeitet danach von zuhause aus weiter. Bei TechProtect wird gerne experimentiert. Mit der Haltung „Lass es uns probieren!“ wird versucht, so weit wie möglich Mitarbeiterwünschen zu entsprechen. Außerdem gibt es regelmäßige Evening Classes, für die sich jeder Interessierte anmelden kann. Dazu kommen externe Trainer ins Haus oder Mitarbeiter stellen selbst etwas auf die Beine. Zum Beispiel diese eine Mitarbeiterin, die privat eine Ausbildung zur Gesundheitsmanagerin gemacht hat und nun eine Veranstaltungsreihe mit Atemübungen, Sport, Meditationsreisen, Vorträgen etc. anbietet. Selbstverständlich erhält sie dafür wie eine externe Trainerin ein entsprechendes Honorar.

Die Räume bei TechProtect sind großzügig, behaglich und strahlen eine entspannte Atmosphäre aus. Es wird geredet, gelacht, gearbeitet, gelebt. Wieder ein Beleg für meine Lieblingsthese, dass „Mensch sein dürfen am Arbeitsplatz“ und wirtschaftlicher Erfolg sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern zwei Seiten derselben Medaille sind.

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